#55 Am Anfang war das Bier - Alkohol als Zivilisations-Boost?
Shownotes
O'zapft is: Millionen Menschen aus aller Welt feiern gerade in München das Oktoberfest -- und trinken dabei mehrere Millionen Liter Bier. Aber warum tun sie das? Die Antwort ist überraschend: bereits als Jäger und Sammler haben Menschen Bier gebraut, vermutlich schon vor 13.000 Jahren. Also schon BEVOR die Landwirtschaft erfunden wurde. Einige Forschungsteams spekulieren deshalb, dass nicht Brot, sondern Bier unsere Vorfahren dazu verleitet hat, Getreide anzubauen und seßhaft zu werden. Oder anders gesagt: der Durst nach Bier markiert den Beginn unserer modernen Zivilisation. Eine steile These, über die Dirk und Sabine mit dem Ärchäologen Dr. Jens Notroff sprechen. Warum wir Bier so lieben, was das mit der kulturellen Evolution von uns Menschen oder dem ägyptischen Pyramidenbau zu tun hat, was das Oktoberfest mit dem "türkischen Stonehenge" Göbekli Tepe gemein hat wie heute eine neue Revolution den Biermarkt umkrempelt, das erfahrt ihr in dieser KETTENREAKTION.
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00:00:05: Saufen vor Future.
00:00:07: Wie Bier zur Grundlage unserer Zivilisation wurde,
00:00:11: die
00:00:11: Kettenreaktion!
00:00:27: Ich bin ja ein Münchner Kindl und ich liebe das Oktoberfest oder wie wir sagen, die Wiesen.
00:00:32: Ich finde es einfach toll allein schon wenn man da hinkommt der Duft nach Zuckerwatte und gebrannten Mandeln und dann die Lichter am Abend und zwei Wochen lang treffe ich so viele Freunde wie sonst im ganzen Jahr nicht.
00:00:43: Man feiert zusammen und irgendwie ist es ein Gefühl, als würde die ganze Stadt für zwei Wochen zur absurden Großfamilie werden oder so ähnlich.
00:00:50: Ja also kann man das sehen aus Hamburger Sicht.
00:00:53: wenn man noch nie da war dann sieht es eher so aus wie Millionen Menschen aus der ganzen Welt zwängen sich freiwillig in stickige Bierzelte und das Ganze ist eine Sauff- und Kotzparty globalen Ausmaßes.
00:01:03: und dann muss man auch noch sechzehn Euro für einen Liter Bier bezahlen.
00:01:08: Das ist doch ganz schön irre.
00:01:09: Ja komm, aber gib zu!
00:01:10: Ich hab dich schon bekehrt inzwischen magst du es doch auch?
00:01:12: Wir waren ja auch schon zweimal draußen.
00:01:14: Ja ich möchte hier öfflich erklären viele wissen's noch nicht... Ich habe in diesem Jahr zum ersten mal eine eigene Lederhose getragen und ich find sie super, ich fühl mich sehr wohl da.
00:01:24: Darf
00:01:24: ich das auf Campfire posten
00:01:26: Leute?!
00:01:26: Ich stelle euch ein Foto rein von Dirk in der Leder Hose sensationell.
00:01:30: Na gut
00:01:31: Jedenfalls, die hundertneunzigste Wiesn ist in vollem Schwange.
00:01:36: Sie ging los am neunzehnten September und sechzehn Tage lang feiern jetzt die Menschen in der Landeshauptstadt von Bayern in München.
00:01:43: Und ja heuer hatten wir natürlich noch keine aktuellen Zahlen aber letztes Jahr zum Beispiel kam da rund sechs ein halb Millionen Menschen zusammen.
00:01:52: Nur zur Erinnerung, München hat ... Also es ist massiv!
00:01:57: Und die Festwürde schätzen den Bierkonsum ebenfalls auf rund ...
00:02:10: Ja da ist die Statistik mal leicht im Kopf auszurechnen also pro Gast im Mittel ein Maß Bier
00:02:16: oder auch sechseinhalb Maß pro Saarländer Wenn
00:02:22: nur Saarländern hingehen würden und sonst niemand.
00:02:26: Ja genau.
00:02:26: Bitte nicht ausprobieren, ja jedenfalls!
00:02:28: Heute erzählen wir euch aber nicht nur vom Oktoberfest sondern was ihr vielleicht noch nicht über Bier wusstet nämlich wie es unsere Geschichte und die Menschheitsgeschichte für immer verändert hat.
00:02:41: Das ging schon vor vielen tausend Jahren los.
00:02:44: diese Geschichte wen also das Verhalten einiger Menschen auf dem Oktober fest an die Steinzeit erinnert.
00:02:50: da ist ein Körnchen war halt drin
00:02:52: Aber anders als ihr denkt.
00:02:54: Also alles begann vielleicht in der Rackefertöle im heutigen Israel.
00:02:58: Da haben Forscher nämlich Hinweise darauf gefunden, dass Menschen schon vor etwa drei Zehntausend Jahren getreide Getränke gebraut haben um bei gemeinschaftlichen Ritualen in die richtige Stimmung zu kommen.
00:03:13: Geistige Getränken sozusagen!
00:03:14: Ja und noch spektakulärere Funde hat man dann in Gebäkli Tepe gemacht – schon mal gehört?
00:03:20: Das ist ein rund zwölftausend Jahre alter, monumentaler Versammlungsort von Menschen als wir noch Jäger und Sammler waren mit großen Bauten.
00:03:28: Und vielleicht den ältesten Volksfest in der Welt?
00:03:31: Ja – und Hinweisen auf Bier!
00:03:33: Ganz genau an der Schwelle zur Sesshaftwertung von uns
00:03:37: Menschen.".
00:03:37: Und erscheinbare Widerspruch, in dem was Sabine gerade gesagt hat, ist genau das Forscher-Rischinteressante.
00:03:43: Jägernsammler die Großbauten errichtet haben, das passt ja kulturell eigentlich gar nicht zusammen.
00:03:47: aber genau das ist der interessante Haken.
00:03:50: Wir feiern heute also in dieser Folge nicht nur den Alkohol, den feiern wir gar nicht.
00:03:54: Sondern es geht um die Geschichte einer Kulturtechnik nämlich genau um die Fermentation und wir diskutieren über eine mutige Hypothese Nämlich tatsächlich.
00:04:03: die Frage ist Bier?
00:04:04: Die Grundlage unserer modernen Zivilisation.
00:04:24: Hier sind wieder Dirk und Sabine Steffens mit der Kettenreaktion.
00:04:27: unser Wissenschaftspodcast sich immer mit der Frage beschäftigt, wie das eine mit dem anderen zusammenhängt.
00:04:33: Danke dass ihr wieder dabei seid!
00:04:35: Unmöglich gemacht wird die von unseren neuen Partnern, von denen wir euch auch letztes Mal schon erzählt haben.
00:04:40: und hier sind sie... Hi!
00:04:44: Hier sind Anna
00:04:45: Und Florian.
00:04:46: Wir sind die Geschäftsführer von Polarstern einem unabhängigen Öko-Energieversorger.
00:04:51: Hinter uns
00:04:51: steht kein großer Konzern und genau wie bei der Kettenreaktion machen wir das was wir tun aus Überzeugung.
00:04:57: Genau Und für uns sind Werte einfach wichtiger als Renditen, denn schlechtes Klima kommt von schlechtem Business.
00:05:04: Deshalb verkaufen wir bei Polarstern schon immer ausschließlich Ökostrom und Ökogas.
00:05:10: Und als Social-Business investieren wir zusätzlich mit jeder Kilowattstunde in die Energiewende – in Deutschland und im globalen Süden!
00:05:18: Und wir unterstützen nun auch die Kettenreaktionen Denn gute Projekte und wichtige
00:05:23: Themen
00:05:23: wie die Energievende brauchen Menschen, die sie möglich machen
00:05:27: Und auch Menschen, die zuhören und unterstützen.
00:05:29: Also euch!
00:05:31: Unterstützt
00:05:31: also im Alltag Projekte, Medien, Firmen, die euch wichtig sind.
00:05:36: Und lasst so aus guten Ideen echte Veränderung werden.
00:05:49: Weiter geht's mit.
00:05:50: – am Anfang war das Bier.
00:05:52: Ja, dass Oktoberfest zeigt ja im XXL-Format was Bier alles kulturell sein kann nicht nur eben ein Getränk sondern auch quasi ein Handwerk einen Wirtschaftsfaktor Ein Identitätsmarker und halt auch eine Eintrittskarte für gemeinsame Rituale.
00:06:08: Kennst du übrigens die Geschichte des Oktoberfestes?
00:06:10: Nee, nicht genau!
00:06:11: Ja
00:06:11: also, aus dem Jahr tenzehnten da fand das erste Oktoberfest statt.
00:06:15: damals hat man noch einen anderen Namen dafür gehabt.
00:06:18: Damals war es einfach eine Hochzeit nämlich hat der Kronprinz Ludwig von Bayern Die Prinzessin Theresa geheiratet.
00:06:24: ja und dann hat man große Pferderinnen gemacht und natürlich auch gefeiert Und eben schon auf dem Ort Der später Die Theresienwiese wurde nämlich nach der Braut benannt.
00:06:36: Und daraus ist im Laufe der Jahrzehnte dann das größte Volksfest der Welt geworden!
00:06:42: Oh ja...
00:06:42: Aber Feste, also auch das Oktoberfest, also Feste insgesamt, warum feiern Menschen eigentlich Partys?
00:06:48: Warum gibt es sowas wie Feste?
00:06:49: Feste sind uralt und ihre soziokulturelle Bedeutung ist tatsächlich für uns alle überragend.
00:06:55: Feste sont Geschichtsprägen, das ist keine Übertreibung.
00:06:58: Ihre Bedeitung geht weit, weit, über Kommerz oder Saufen oder einfach nur Spaß haben hinaus.
00:07:04: Sie sind wirklich, wirklich treiber der Zivilisation – das ist tatsächlich Fakt!
00:07:09: Und für die Wissenschaft oder die Archäologie ist eben besonders interessant diese Frage.
00:07:14: War Bier jetzt nur ein Nebenprodukt des Getreideanbaus?
00:07:18: Oder war der Wunsch nach so einem besonderen fermentierten Getränk selbst der Grund getreidet zu sammeln zu lagern und später eben auch anzubauen.
00:07:27: Das ist eine ganz, ganz große Frage in der Archäologie.
00:07:31: Tja, zugespitzt nicht unser täglich Brot gibt uns heute sondern unsere tägliche Bier gibt es uns heute.
00:07:36: also haben wir nicht wegen Brot sondern wegen Bier die Landwirtschaft erfunden.
00:07:40: war das wirklich so?
00:07:41: Das klingt erstmal nach einer guten Schlagzeile aber jetzt wollen mal gucken ob sie wissenschaftlich tragfähig ist.
00:07:46: Auf jeden Fall können wir festhalten.
00:07:48: Archäologen bewerten dass fermentieren von Getränken als kulturelle Schlüsseltechnik Die verbindet nämlich Pflanzenwissen, die Herstellung von Keramik.
00:07:57: Dann der erste Handel auch Buchhaltung oder Vorratshaltung dann bestimmte Rituale, die man zusammenmachte Auch wie ernährten sich die Menschen da?
00:08:06: was tranken sie?
00:08:06: Was aßen Sie und wie waren sie sozial organisiert?
00:08:10: Ja und tatsächlich beim Brauen vom Bier war ja etwas was für unsere nomadischen Vorfahren relativ neu war Denn eine wichtige Zutat beim Herstellen von Bier ist nämlich nicht nur Getreide und Wasser, sondern Zeit.
00:08:24: Man musste warten bis dieses Zeug fertig fermentiert war Und das ist natürlich für steinzeitliche umherziehende Jäger- und Sammler ein ziemlich krasses neues Konzept.
00:08:35: Ja Nomaden die längere Zeit an einem Ort bleiben mussten Um die Fermentation abzuwarten
00:08:40: ja jetzt kann man natürlich auch sagen ja Die blieben schon ab und zu mal auch an Orten je nachdem wo sich das Jagd wild aufhielt oder wenn da Früchte oder andere Sachen reif wurden.
00:08:50: aber Zum Bier brauen?
00:08:52: Wo haben wir eben auch an einen Ort gezwungen.
00:08:55: Also kann man sich schon denken, dass das vielleicht auch ein Grund war warum Menschen dann so eine Art Siedlung brauchten oder zumindest eine zeitweise Siedelung.
00:09:02: Ja
00:09:02: eigentlich witzig wenn man mal drüber nachdenkt ist das erste dumistizierte Wesen, wenn noch unfreiwillig oder unabsichtlich oder unbemerkt dumistiziert... Das waren nicht ne Ziege, nen Schaf oder nen Wolf aus dem Hund geworden ist, das waren keine Pflanzen wie Hafer oder Hirse oder sowas oder Einkorn sondern Hefe.
00:09:18: Die Hefe ist ein Begleiter der menschlichen Zivilisation, obwohl die Menschen davon nichts
00:09:23: wussten?
00:09:23: Gar nichts wusste und natürlich auch viele tausend Jahre noch keine Ahnung von Hefe haben sollten.
00:09:32: Also der älteste Schauplatz dieses Podcasts ist kein Wirtshaus, obwohl es um Bier geht sondern ein Begräbnisort eine begrebene Städte und zwar die Rackefett-Höhle, die wurde von Natufiern benutzt.
00:09:43: wie spricht man dir aus Sabine?
00:09:44: Ja natuvia das ist ne ganz alte Kultur Und es waren eben Gruppen, die teilweise bereits schon länger an einem Ort verharten und so Wildgetreide sammelten und erste Siedlungen machten aber tatsächlich noch keine Landwirtschaft konnten.
00:10:00: Wir haben dazu auch mit Jens Nordroff gesprochen der ist Archäologe am DAI Am Deutschen Archäologischen Institut.
00:10:06: Die Hölle in Israel ist tatsächlich eine der Grundorte, die bisher mit ältesten Belege für wahrscheinlich Fermentierung von Getreide zu Tage gebracht hat.
00:10:18: Das scheint dafür zu sprechen dass Zusammenkünfte wie wir vielleicht in einer Bestattung fühlen müssen mit Toten-Ritualen und Beerdigungsritualen oder auch mit Ahnenverbundene zusammenkünftet uns vorstellen das die schon sehr lange Zeit eben auch mit alkoholischen Getränken verbunden waren.
00:10:35: In großen Steinmörsern haben die forschenden so mikroskopische Rückstände von verschiedenen Pflanzen gefunden und das verleitet dann zur Interpretation, dass hier Getreide gemälzt, zerstoßen erhitzt und möglicherweise eben fermentiert wurde.
00:10:50: Der
00:10:50: spannende Punkt dabei ist ja der Zeitpunkt zu dem es passiert ist.
00:10:54: Das ist nämlich drei Zehntausend Jahre her!
00:10:57: Das war also vor Beginn des Getreider Anbaus.
00:11:01: Da muss man dann bedenken, um Bier mit Wildgetreide herzustellen.
00:11:08: Das ist irreaufwendig und kaum möglich, dass man damit große Biermenge herzustellt.
00:11:15: Es funktioniert praktisch kaum.
00:11:16: Genau!
00:11:17: Und das war damals schon so.
00:11:19: ein mehrstufiger Herstellungsprozess also wie du sagst irreaufwändig.
00:11:24: Das führt dann dazu, dass man annimmt das das Getränk wahrscheinlich keine einfache Alltagsverpflegung war sondern ein Teil von besonderen Zusammenkünften.
00:11:33: Wahrscheinlich rund um Bestattungen weil in dieser Höhle eben auch menschliche Skelette gefunden wurden und auch so Grabbeigaben in Form von Blumen oder so.
00:11:42: Ja und das verändert dann tatsächlich unseren Blick auf die Geschichte des Biers.
00:11:47: also der früheste bekannte Kontext heißt nicht war ja Abend Party hoch die Tassen Erinnerung und intensive Gemeinschaftserlebnisse.
00:11:57: Kennt man ja heute noch so vom Leichenschmaus, dann wird auch um zu trauern gemeinsam gegessen und getrunken?
00:12:11: Ja aber noch spektakulärer als die Funde in der Rackefethöhle sind die Fünde in der heutigen Türkei.
00:12:17: Dort einige Jahrhunderte später und auch einige hundert Kilometer weiter nördlich in Gebückli Tepe wurden monumentale Steinerne anlagen errichtet.
00:12:26: Ich war mal da.
00:12:26: das ist wirklich sensationell wenn man da oben ist bei so einem Aufgang oder so einen Untergang.
00:12:30: Also man glaubt wirklich diese Götterdämmerung, die Dämmerungen der menschlichen Zivilisation zu spüren.
00:12:37: Das ist wirklich ein herausragender Ort!
00:12:39: Ich finde ich auch wieder tun euch mal Fotos posten auf Campfire und man sagt immer gebildethepe so bisschen das türkische Stonehenge.
00:12:47: aber Leute dass es Tausende Jahre älter als Stonehenge.
00:12:52: und wir sind hier im prä-keramischen Neolitikum, also in der Zeit prä keramisch.
00:12:58: Das heißt vor den Biergrünen?
00:12:59: Vor der Erfindung des Biergrugs?
00:13:00: Genau!
00:13:01: In der Zeit vor der Keramik und eben auch vor der vollentwickelten Landwirtschaft.
00:13:07: Und ja damit viele, viele Jahrtausende älte als Stonehensch oder auch die egyptischen Pyramiden.
00:13:12: Und Notrof und sein Team haben dort jahrzehntelang gegraben.
00:13:16: Und es ist auch deswegen so spannender Ort, weil jahrzehntelange Grabungen – das ist für die Archäologen gar noch nicht zu lange.
00:13:22: Wenn man denkt, so Orte wie Troja oder Olympia, da wird schon seit hundert Jahren gegraben.
00:13:27: Da ist die Datenlage viel, viel besser und in Göbekli Tepe eben erst seit Jahrzehnten.
00:13:32: Das heißt, es gibt immer mal wieder was Neues Und man hat eben dort Nachweise von der vielleicht ältesten Brauerei der Welt gefunden, wenn man das so nennen darf.
00:13:42: Am besten beschreibt man die, wo du als Wannen, als Steinwannen den Fassungsvermögen von Hundertsechzig Litern haben und die stationär verbaut waren in diesen Gebäuden, die da errichtet worden sind.
00:13:51: Es wurde festgestellt, dass es sich bei diesen grauen Anhaftungen um Oxalat handelt.
00:13:55: Oxalad
00:13:56: im Grunde nur ein sehr fancy wissenschaftlicher Begriff für Bierstein.
00:14:01: Ja
00:14:01: also Bierstein sagt er Es ist mineralische Ablagerung, die beim Brauen entstehen und in den Braugefästen dann halt zurückbleiben.
00:14:08: Und sie können die Archäologen nachweisen was mich auch beeindruckt hat diese Steingefäße waren hundertsechzig Liter fassend also das eine Menge
00:14:15: davon.
00:14:16: ja richtig richtig viel viel tausend Liter sag ich mal.
00:14:20: Ja
00:14:20: da so ne so ein Wiesenmaß vergleichsweise klein der wissenschaftlich robuste Teil der Forschung Was man sozusagen fassen kann.
00:14:27: an diesem Ort Gab es große gemeinschaftliche Aktivitäten, wahrscheinlich mit religiösem Hintergrund bei denen erhebliche Mengen an Nahrung und Getränken benötigt wurden?
00:14:37: Denn wenn viele Menschen Nomaden- und Sammler an einem Ort zusammenkommen die musst du irgendwie verpflegen.
00:14:42: Da oben wächst nichts da oben gibt es nicht.
00:14:44: man muss es also mitbringen bevor raten Man braucht eine Logistik Also einen präneolitischen Partyservice sozusagen
00:14:58: So zu sagen.
00:14:59: und wenn man bedenkt, das waren tatsächlich Jäger und Sammler.
00:15:02: Da war es ja noch eine ganz verrücktes Konzept sich an einem Ort, an einen bestimmten Zeitpunkt zu treffen.
00:15:10: also man braucht auch ne Art Terminkalender Man muss sich darüber verständigen, man braucht Kommunikation.
00:15:17: Also ist es wirklich eine neue Denkweise.
00:15:19: Und die Menschen kamen aus großer Entfernung zusammen.
00:15:22: Man hat dort Fundstücke Aus ungefähr zweihundert Kilometer Entfernungen gefunden An diesem Ort Wirklich ein großes Einzugsgebiet für die Party, sag ich mal und dort hat man dann zusammen gefeiert.
00:15:33: Aber wie findet man jetzt raus dass dort riesige Feste stattgefunden haben?
00:15:38: Der
00:15:38: schlagendste Beweis aber sind sicherlich die physischen Überreste dieser Feste.
00:15:43: wir haben in der Verfüllung dieser Anlagen wirklich Unmengen an Tierknochen gefunden also gewaltige Mengen an Tierknochern.
00:15:51: Also die Auer Ochsensteak zusammen mit diesem Bier ist glaube ich ein ganz gutes Argument dafür, dass wir hier wirklich Feste haben.
00:15:58: Das Auerochsensteakschade!
00:16:00: Leider ausgestorben aber...
00:16:02: Aber klickt das ja bayerisch, ne?
00:16:03: Wir waren ja auch auf der Wiesen gerade in der Ochsenbratterei damit einen unserer Habende verbrachtes eines sehr großen Bierzelte also Oxenbratterei und Namas, das ist wie Auer ochsensteek-und frühe neolitisches Bier.
00:16:14: Absolut, also vielleicht ist es auch die Brücke.
00:16:17: diese Rituale sind geblieben.
00:16:20: Damals in Gebekli Tätbeer hatte man auch diese erstaunlichen Bauwerke da gefunden.
00:16:25: Das sind so t-förmige riesige Steinpfeiler, zum Teil mehrere Meter hoch und eben tonnenschwer.
00:16:32: Und die Herstellung und die Bearbeitung – also sie sind bearbeitet, die dann teilweise Sachen reinzisseliert von Steinhauern oder Metzen früheren.
00:16:41: Die Aufstellung allein dieser riesigen Steinklötze erfordert ganz schön Planung und richtig viel Arbeitskraft!
00:16:48: Und da kann man sich ja mal fragen, wie konnte man Menschen in dieser Zeit eigentlich dazu bringen ohne direkten eigenen Vorteil unter großen Mühen und Qualen riesige Steine einen hohen Berg hochzuschleppen für einen abstrakten Zweck.
00:17:03: Also es ist für den Jägern Sammler der ja eigentlich, ich stehe morgens auf Jage und brauche was zu essen, dann ist das ja eine seltsame Motivation Und die Aussicht auf so ein kleines Schälchen Getreidebrei allein dürfte dafür nicht ausgereicht haben.
00:17:14: Also da konnte man Menschen sicherlich nicht bewegen, das zu machen.
00:17:17: Da muss es einen höheren Zweck gegeben haben und wahrscheinlich auch riesige Festgelage und Festgelange – die haben schon immer Menschen angelockt!
00:17:26: Wie heute noch ne?
00:17:26: Es ist Oktoberfest.
00:17:27: Millionen Menschen, sechsundhalb Buster erzählt was der ganzen Welt kommen da an um gemeinsam eine Festgelade zu feiern.
00:17:34: Da kommen wieder diese Feste ins Spiel.
00:17:35: Denn diese ethnologischen Analogien zeigen uns, wie bekomme ich Leute dazu sich an so einem Ort zu treffen?
00:17:40: Wie motiviere ich die in dem ich ein Fest feiere?
00:17:44: Solche sogenannten Arbeitsfeste sind sozusagen der Motivationsfaktor um die Arbeitskraft vor Ort zu versammeln.
00:17:50: Wenn ich den Kasten Bier hinstelle und Pizza bestelle dann ist die Motivation vielleicht doch ein bisschen größer damit anzupacken.
00:17:56: Und so ähnlich muss man sich dieser Arbeitsfest wahrscheinlich vorstellen.
00:17:59: Ja so ein Fest hat dann sozusagen gleichzeitig all die Funktionen gehabt, die unsere verschiedenen sozialen Events heute uns liefern.
00:18:05: Also wir gehen erst in die Kantine und vielleicht einen Gottesdienst haben eine Projektbesprechung oder gehen online auf eine Kontaktbörse.
00:18:11: All das hat man da bei einem so großen Fest auf einmal erledigt!
00:18:16: Und man arbeitete zusammen, man hat zusammen gegessen und konnte dabei eben die Beziehung nicht nur zu Individuen sondern auch zwischen Gruppen erneuern.
00:18:24: Das war natürlich für die Bildung von zivilisatorisch größeren Einheiten unglaublich wichtig!
00:18:30: Es war eben auch ganz wichtig da dabei zu sein wenn man irgendwas mitkriegen wollte.
00:18:35: Wenn man sozial irgendwie dabei sein wollte dann musste man in Gebüttlitepe dabei sein.
00:18:40: Spannend ist, dass sich das eben alles zugetragen hat bevor die Menschen sesshaft waren oder während sie es gerade wurden.
00:18:47: Also hier ist wirklich so die Keimzelle vielleicht unserer modernen Zivilisation.
00:18:51: Man konnte noch keine Nahrungsmittel angebaut haben aber man hat es vielleicht versucht.
00:18:58: Wir sind in einer Region wo wir uns exakt auf der Schwelle zur Sessaufwertung befinden also zu Nahrungsproduktionen.
00:19:04: Das sind die Leute die das anstoßen.
00:19:07: Wir müssen davor aber mit so einer Managementphase rechnen, wo die Leute experimentiert haben und in dieser Übergangsphase befinden wir uns.
00:19:13: Und das macht es eigentlich auch so spannend!
00:19:15: Von zwingender Logik ist jedenfalls die Schlussfolgerung für große Feste – Mit vielen Menschen braucht man viele Getränke und in diesem Fall also viel Bier.
00:19:24: Dann stellt sich die Frage hat man tatsächlich vielleicht deshalb Getreide angebaut?
00:19:29: Einfach um diese Mengen bewältigen zu können?
00:19:30: war das womöglich der Anfang der Landwirtschaft oder einer der Gründe für den Beginn der Land Wirtschaft.
00:19:36: Das ist nicht gesichert, aber doch sehr plausibel!
00:19:38: Jetzt wissen wir natürlich nicht wie das Getränk, dass wir jetzt hier die ganze Zeit Bier nennen damals geschmeckt hat und wie viel Alkohol es enthielt?
00:19:45: Aber wir dürfen mutmaßen, dass es eher trüb war.
00:19:48: Eher dickflüssig und eher schwach vergoren.
00:19:51: Also nicht ganz so viel Alkohol hatte wie heute ein IPA oder einen Bockbier oder auch ein Wiesenbier, ein Wiesnhellis.
00:19:58: Vielleicht war das mehr eine Mischung dünnes Porridge mit einem Alkohlgehalt von vielleicht so zwei Prozent.
00:20:04: Hört
00:20:04: sich sehr lecker an!
00:20:06: Aber eben fermentiert... Wir haben diesen Begriff Fermentation jetzt schon ein paar Mal benutzt Sabine.
00:20:11: Was ist das eigentlich?
00:20:12: Mach mal deine Nerdbox auf bitte.
00:20:14: Beim Melzen beginnt Getreide zu keimen und dabei werden Enzyme aktiviert, die im späteren Maisprozess die großen Stärkemoleküle zerlegen in kleinere Einheiten.
00:20:24: Nämlich in.
00:20:25: Glucose ist nichts anderes als Zucker.
00:20:28: Dann schlägt die Stunde von Saccharomyces Servisie der Bierhefe!
00:20:35: Sie nimmt Zucker auf und spaltet ihn zunächst durch die Glyko-Lüse zu Pyrowat.
00:20:40: Man äh, kennst du viele Fremdwörter?
00:20:42: Ja, pass auf!
00:20:43: Ist ja auch die Nerdbox
00:20:44: oder?!
00:20:44: Weil der alkoholischen Gehrung wird daraus dann Ethanol und gleichzeitig entsteht Kohlendioxid.
00:20:51: Also haben wir so eine Gesamtgleichung.
00:20:53: Ein Molekül Glucose wird zu zwei Molekülen Ethanol Und zwei Molekülen Kohlendiuxid.
00:20:59: Und eben Energie, die die Zelle selbst braucht Ja, und dieses Kohlendioxid sorgt eben beim Brot zum Beispiel für lockeren Teig.
00:21:07: Und beim Bier für Kohlensäure.
00:21:10: Oh ja, fein!
00:21:11: Neben dem Ethanol, um den es heute hauptsächlich geht entstehen aber auch zahlreiche Aromastoffe Und die entscheiden eben mit darüber, ob jetzt ein Bier fruchtig oder würzig oder schwefelig.
00:21:22: Oder auch nach altem Keller schmecken?
00:21:24: Ja das ist dann Kellerbier aber auf die schlechte Art.
00:21:27: Vergorene Früchte haben natürlich schon lange vorher in der menschlichen Entwicklungsgeschichte eine Rolle gespielt.
00:21:34: Da gibt es diese berühmte Drunken Monkey Hypothese.
00:21:36: Die hat der Biologe Robert Dudley...
00:21:38: Der besoffene
00:21:39: Affe!
00:21:39: Ja der besoffen.
00:21:40: die These, die Hypothese vom besoffenen Affen.
00:21:43: Die hatte Biologee Robert Dudlee so ich glaube im Jahr zweitausend war's formuliert, also Hefen, die wir vorhin schon mal erwähnt haben.
00:21:49: Hefen vergehren, du hast es erklärt Zucker und produzieren dabei Ethanol, also Alkohol.
00:21:54: Und der Geruch von Ethanol Der könnte Primaten angezeigt haben, also schon vor Menschen.
00:22:01: Hier gibt es Reife, Zucker- und energiereiche Früchte.
00:22:04: Ich kenne diesen Geruch sehr gut.
00:22:06: ich komme von einem Obsthof und das Fallobst verstrümmt eben genau diesen Ethanolduft.
00:22:12: Und unsere Affinität zu Alkohol, so die These von Robert Dudley.
00:22:16: Unsere Affinitet zur Alkohl könnte damit viel älter sein als unsere Liebe zu Bierweinen oder auch der
00:22:22: Landwirtschaft.".
00:22:23: Aber was jetzt in Gewickli Tepe plötzlich neu war um mal wieder zurück zum Thema zu kommen?
00:22:27: Was dann neuer war dass sie diese Fermentation, die ein ganz natürlicher Prozess ist, die haben plötzlich gelernt den zivilisatorisch zu nutzen also eine geplante Prozesskette anzustoßen Getreide sammeln oder anbauen, keimen lassen, zerkleinern, meischen und fermentieren damit man sich nachher schön ein rein kühbeln
00:22:46: kann.
00:22:47: Genau!
00:22:48: Und damit wird Bier jetzt noch nicht zum alleinigen Grund für Zivilisation.
00:22:52: aber eben die Produktionen auf die Verteilung solcher besonderer Getränke das könnte schon einen Zahnrad in einem größeren Getriebe gewesen sein zusammen mit den großen Ritualen.
00:23:03: Man musste eine Vorratshaltung entwickeln, man musste Arbeitsteilungen haben.
00:23:07: Man hat die Weitergabe von Wissen.
00:23:09: Man musste machen vielleicht sogar erste Mathematik oder Buchhaltung.
00:23:13: Man hatte Hierarchien und man konnte dann den ersten Handel treiben.
00:23:17: also es gibt schon sehr viele Gründe um Bier zu verbinden mit einer kulturellen zivilisatorischen Kraft oder auch mit der beginnenden Sesshaftigkeit.
00:23:28: ja oder mal ein bisschen poetischer gesprochen Bier ist der Beweis dafür, dass Gott uns liebt und möchte das wir glücklich sind.
00:23:35: Das ist
00:23:38: Zitat
00:23:38: von Benjamin Franklin, aber tatsächlich verfälscht wiedergegeben wird meistens eben auch von mir.
00:23:43: Ich glaube er hat es tatsächlich über Wein gesagt und nicht über Bier.
00:23:47: Aber egal!
00:23:48: Es geht hier um die Wirkung von Alkohol.
00:23:50: also Alkohl könnte man jetzt sagen ist der beweis dafür dass Gott Uns Liebt.
00:23:54: Das hat also tatsächlich eine große Bedeutung bekommen.
00:23:57: Und Ninkasi, so werde ich dich jetzt übrigens nennen Sabine, war schon bei den Sumerern die Göttin des Bieres und es gab damals sogar schon in so einer Art Ode an.
00:24:07: das Bier ist in Keilschrift überliefert.
00:24:10: wir sprechen und lesen natürlich total fließend keilschrifftig aber nein tu mir natürlich nicht!
00:24:15: Wir haben mal unsere KI gebeten diese Keilsschrift zu.
00:24:19: ja wie kann man sagen hörbar zum Machen uns das Mal vorzulesen?
00:24:22: Und so klingt dass
00:24:39: Ja, keine Ahnung wie nah das jetzt an einem echten mesopotamischen Akzent dran ist.
00:24:44: Fakt ist es wurde tatsächlich aufgeschrieben Es ist ein langes Gedicht oder einen lange Niederschrift die auch wirklich die verschiedenen Prozesse beim braun beschrieb.
00:24:54: also ist es quasi eine Mischung zwischen Rezept und Poesie.
00:24:57: Und die Passage, die wir da gerade sprechen haben lassen heißt übersetzt wenn du das gefilterte Bier aus dem Sammelgefäß gießt isst es wie das Strömen von Tigris und Euphra.
00:25:09: Aber ich krieg Durst!
00:25:11: Ja also jedenfalls wir sind jetzt gesprungen in der Zeit Mesopotamien war schon viel später als Göbekli Tepe.
00:25:17: aber Tatsächlich ist es an verschiedenen Zeitpunkten in verschiedenen Erdteilen ganz viel passiert.
00:25:22: Überall hat man mit fermentierten Getränken rumexperimentiert und je nachdem verschiedene Pflanzen auch als Zuckerlieferanten benutzt, je nach dem was da halt hauptsächlich gewachsen ist.
00:25:32: In Südamerika zum Beispiel Mais.
00:25:34: Da hat man dann die sogenannte Chicha draus gebraut.
00:25:37: In Asien hat man oft Reisverwendet in der Karibik-Zuckerruhe Und die alten Griechen natürlich lieber Wein benutzt.
00:25:44: Da galt Bier als etwas sehr Vulgeeres Aber jedenfalls sehr viele Menschen kamen auf den Geschmack von fermentierten Drinks.
00:25:52: Ja und um das mal sozusagen die Pyramiden, die wir bis heute als kulturelles Monument anstaunen, die hätte es wohl ohne Bier nie gegeben!
00:26:05: Das ist spannend.
00:26:06: da gibt's tatsächlich Forschungen drüber dass die Pylamiden ja nicht von Sklaven gebaut wurden sondern Tagelöhnern, die auch teilweise wirklich wohl genährt waren und man denkt dass sie so mindestens vier Liter Bier am Tag auch als Verpflegung und Lohn bekommen.
00:26:21: Ist
00:26:21: ja auf dem Bau heute noch üblich nämlich an oder nein ist es natürlich nicht.
00:26:25: Entschuldigung liebe Menschen aber das Vorurteil ist nun mal so?
00:26:28: Ja
00:26:28: und es ist natürlich auch was sehr Nahhaftes und es war auch viel sicherer Bier zu trinken oder eben dieses fermentierte Getränk als bloßes Wasser denn bei der Fermentation das wirkt auch ein bisschen antiseptisch.
00:26:40: Es war auch auf jeden Fall irgendwie gesünder als Niel, Wasser und halt auch sehr nahhaft.
00:26:45: In Bayern denkt man ja heute noch Bier ist ein Nahrungsmittel und kein Getränk.
00:26:50: Ja und dann muss man dazusagen also die Wirkung von Bier, also die wirkung von Alkohol ist natürlich die Wirkung einer Droge Und Alkohl hat dann Wirkungen, die kann man vielleicht so beschreiben Alkuhl senkt Ängste und Hemmungen.
00:27:04: Also man wird es ein bisschen enthemmt Man wird etwas euphorisiert Und auch dieses Gefühl der Verbundenheit von großen Gruppen, das haben wir im Bierzelt ja gerade wieder erlebt.
00:27:12: Sabine auf zum Oktoberfest.
00:27:13: plötzlich hat man das Gefühl mit den vielen tausend Menschen in diesem Bierzeld, mit denen man schlechte Schlagersongs zusammengrölt irgendwie verbunden zu sein eine große Gruppe zu sein obwohl man die meisten Menschen vorher nie gesehen hat und doch nachher nie wieder sehen wird.
00:27:38: Ja dass ist weil Alkohol im Gehirn wirkt und zwar gleichzeitig mehr oder weniger aufs Gas und auf die Bremse tritt.
00:27:45: Alkohol wirkt auf die Botenstoffe GABA, der normalerweise Hemmend ist und auch auf den anregenden Botenstoff Glutamat.
00:27:53: Das sind bei das wichtige Neurotransmitter Und gleichzeitig bekommt unser Belohnungssystem eine extra Portion Dopamin.
00:28:00: Wir fühlen uns lockerer, euphorischer und überschätzen uns leichter.
00:28:03: Je mehr wir trinken, desto stärker übernimmt eben auch dieses Gefühl ... Wir könnten noch mehr trinken!
00:28:09: Aber dann werden
00:28:10: wir gebremst?
00:28:11: Ja, zu trinken.
00:28:12: Dann werden wir aber gebremst.
00:28:14: Je besoffener wir werden, das leidet die Reaktion der Koordination des Gedächtens.
00:28:19: Das verabschiedet sich so nach und nach.
00:28:21: Damals wie heute ist ein fermentierter Blubberschaum in welcher auch immer ganz wichtig für die Fortpflanzung, also für den gesunden Genmix bei der Formpflanzung.
00:28:30: Genau!
00:28:31: Denn die Nomaden waren ja nur in kleinen Gruppen unterwegs und in Gebücklithep.
00:28:34: aber zum Beispiel da kamen über Jahrhunderte dann viel größere Menschenmengen von überall her zusammen und das war eben sehr wichtig für eine gesunde biologisch-genetische Entwicklung der Menschen.
00:28:46: Wir können aber sicher davon ausgehen, dass auch dieses Frischhaltnisgehendpunkt und dieser Tausch von Partnern im Bestandteil der Zusammenkünfte war.
00:28:56: Das war sicherlich eine Funktion dieser Feste, dass man eben zusammenkam und sich mit anderen Gruppen verbrüderte und verschwesterte.
00:29:04: Ja, also quasi die steinzeitliche Dating-Plattform vielleicht.
00:29:09: Ich meine das Phänomen kennt ja viele von uns!
00:29:11: Man kann sich potenzielle Geschlechtspartner eben auch schön saufen.
00:29:15: Tja, tatsächlich ohne den gin & tonic hätten wir uns vielleicht nicht unseren ersten Kuss
00:29:20: getraut... Was?
00:29:20: Ich sage schön saufen und dann sagst du das?
00:29:23: Nein
00:29:23: ich meine nur dass Alkohol auch glaube ich beziehungsanbahnend wirken kann wenn ich an die vielen Freunde denke Freundeskreis auf dem Oktoberfest kennen und lieben gelernt haben, ja er hat diese Wirkung.
00:29:37: Da bist du noch gerade nochmal rausgekommen.
00:29:38: das klang nicht gut grade.
00:29:40: also auf jeden Fall die genetische Durchmischung im Neolitikum hat tatsächlich zugenommen.
00:29:45: dass kann man anhand von DNA Studien heute noch nachweisen.
00:29:48: ob ist die feste von Gebückli Tepe dazu beitrug oder auch viele kleinere Feste irgendwo anders das kann man so genau natürlich nicht mehr sagen aber es ist plausibel anzunehmen Große Feste mit vielen Leuten, die man noch nie gesehen hat und ein bisschen Alkohol dazu.
00:30:00: Das fördert die Mechaniken, die Techniken der Fortpflanzung.
00:30:04: Also zusammenfassen kann man vielleicht sagen Bier ist definitiv ein Motivator für Zusammenkünfte gewesen aber vielleicht eben auch um Getreide zu domestizieren und auch der erste Grund für Handel und Hierarchien und ja die genetische Vielfalt auf jeden Fall begünstigt.
00:30:20: also was macht das jetzt mit unserer These?
00:30:22: Am Anfang war das Bier.
00:30:24: können wir das so stehen lassen?
00:30:25: Ich würde es gar nicht ausschließen, dass das Bier am Anfang stand.
00:30:28: Aber ich glaube die Quellen lassen uns das nicht so apodiktisch sagen!
00:30:35: Es ist ein schöner Gedanke, dass sozusagen das Feierabendbier auch unseren Zivilisationsprozess ein bisschen angestoßen hat und mit dem Gedanken konnte ich mich an Freunden
00:30:45: saufen als Zivilizationsgrundlage.
00:30:48: Kannst du uns das noch mal schön zusammenfassen?
00:30:51: Als Kettenreaktion lieber Dirk
00:30:54: Menschen sammeln wildes Getreide.
00:30:56: Das kann man in verarbeiteter Form aber besser verdauen.
00:30:58: Brotbacken ist vergleichsweise aufwändig, also hat man Getreideberei einfach fermentieren lassen.
00:31:04: Daraus entsteht ein Getränk, aber die Herstellung dieses Getränkes fordert auch Wissen, Zeit, große Gefäße und viele Hände – also Kooperation!
00:31:12: Die Herstellung wird zur gemeinschaftlichen Aufgabe im Rahmen von Festen.
00:31:15: Dafür braucht man Orte, dafür braucht man Zeiten, Termine und lauter neue Kulturtechniken.
00:31:21: Feste und Alkohol sind außerdem gut für neue soziale Beziehungen in größerem sozialem System.
00:31:28: Stabile Beziehung ermöglichen größere gemeinsame Projekte, das Bier erfindet also nicht allein die Zivilisation – das wäre übertrieben.
00:31:35: aber die Fermentation plus große Feste, plus der Vorrat, plus Organisation.
00:31:41: Das alles zusammen war ein möglicher Beschleuniger auf dem Weg hin zu komplexeren
00:31:47: Gesellschaften.".
00:31:48: Ja jetzt haben wir so einen Loblied auf das Bier gesungen auf seine zivilisatorische Wirkung, aber es kann natürlich auch genau das Gegenteil bewirken.
00:31:57: So viel müssen wir jetzt auch zur Wahrheit dazu erzählen.
00:32:01: Es könnte auch mal unsere Steinzeitinstinkte wieder
00:32:04: hervorholen.".
00:32:05: Ja
00:32:05: ja tatsächlich also mal harte Fakten dazu.
00:32:08: jede fünfte Gewalttat in Deutschland steht mit mehr oder weniger direkt mit Alkoholeinfluss zusammen.
00:32:14: die Enthemmung!
00:32:15: Über die wir vorhin gesprochen haben, die führt halt manchmal nicht nur zu küssen sondern hin und wieder auch zu schlägen.
00:32:19: Außerdem ist Alkohol ungesund er ist ein Nervengift er ist krebserregend und es tatsächlich leider auch in geringen Mengen gesundheitsschädlich.
00:32:28: Da hat sich tatsächlich, muss man sagen die Forschungslage auch gedreht.
00:32:31: Bis vor ein paar Jahren hielt man ein Glas oder einen Bier am Abend für halbwegs unbedenklich aber das ist falsch.
00:32:39: Außerdem hat es ein großes Suchtpotenzial und allein in Deutschland gibt es Zehntausende Todesfälle pro Jahr, die im Zusammenhang mit Alkohol-Konsum stehen.
00:32:49: Es gibt dabei aber auch gute Nachrichten nämlich eine neue Revolution also die apostneolitische Revolution auf dem Biomarkt, nämlich das alkoholfreie Bier.
00:32:58: Der Marktanteil davon hat sich in zwanzig Jahren verdoppelt.
00:33:03: Und das ist natürlich großartig, also weniger Gewalt, weniger Krankheiten und trotzdem den vollen Bier-Spaß.
00:33:07: gleichzeitig sinkt der Konsum von alkoholhaltigen Bier.
00:33:12: Ist ja bei uns zu Hause auch so.
00:33:13: wir trinken sehr gerne alkoholfreie Bieres gibt immer bessere neuere Sorten jetzt.
00:33:18: Also jedenfalls steht fest Bier ist ein historisches Schmiermittel des zivilisatorischen Fortschritts.
00:33:24: aber für die Wissenschaft bleiben schon noch viele Fragen offen.
00:33:28: Was war die Ursache, was eine Begleiterscheinung?
00:33:30: Vielleicht brachte die Aussicht auf Bier Menschen zusammen.
00:33:34: Aber vielleicht brauten Menschen auch Bier weil sie eh schon zusammen kamen.
00:33:39: Also vielleicht ist die eigentliche ursprüngliche uralte Zivilisationsbegründung nicht das Bier sondern der gemeinsame Anlass – die Party!
00:33:48: Jemand sagt wir treffen uns jeder bringt etwas mit und am Ende schaffen wir dann mehr als jeder für sich allein.
00:33:54: Ja, und in der Racke Fethöhle war es möglicherweise Trost für die Hinterbliebenen.
00:33:58: In Gebötli Tepe war's vielleicht Arbeitskraft für große Anlagen?
00:34:03: Und heute auf dem Oktoberfest ist das vielleicht einfach ein Abend mit Freunden bei denen niemand ständig auf sein Telefon schaut!
00:34:13: Ja, mag ich.
00:34:14: Das war die Kettenreaktion, liebe Freunde.
00:34:16: Tschüss für heute!
00:34:17: Lasst uns in Kontakt bleiben auf Insta und auch auf Campfire.
00:34:19: Meldet euch, teilt eure Gedanken mit uns.
00:34:22: Wir posten euch auch die wissenschaftlichen Quellen hier in den Show-Notes und auch aus Campfire?
00:34:26: Und es wäre ganz toll wenn ihr die Folge Menschen weiterempfehlt, die Bier bisher für ein erstaunlich flaches Wissenschaftthema gehalten haben.
00:34:37: Redaktionen und Produktion dieser Folge wie mal Sabine und Dirk Steffens
00:34:42: Musik und Sounddesign Stefan und Matthias Strüber.
00:34:46: Macht es gut, bleibt neugierig und optimistisch!
00:34:49: Tschüss bis zum nächsten Mal.
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